Dr. Jürgen Kurth

Ich bin zweifelsohne Psychiater, arbeite aber ausschließlich als Psychotherapeut  tiefenpsychologisch fundiert – d.h. psychoanalytisch – jedoch mit anderer Vorgehensweise – eben tiefenpsychologisch fundiert!

Ich möchte mich hierdurch abgrenzen zu anderen Therapieformen. Psychoanalyse ist zweifelsohne nicht verkehrt, jedoch möglicherweise zu akademisch und somit für den Alltagsgebrauch zu abgehoben. Besonders möchte ich mich aber gegen die Verhaltenstherapie abgrenzen, für die das Verhalten eine immens große Rolle spielt und nicht die Erkenntnis, dass für ein Verhalten – von denen die Pat. meinen, sie werden dadurch nicht repräsentiert – patientenschädlich (lebenseinschränkend)ist. Es gilt also die Ursachen zu ergründen, wieso der Pat. sich eigenschädigend verhält. Dieses Vorgehen (der tiefenpsychologisch fundierten Therapie) hat noch eine andere wesentliche Komponente – nämlich, dass er auf ein ganz ichsyntones Bedürfnis hingewiesen wird, nämlich neugierig auf sich – und somit auf die Welt sein zu dürfen.

Zu meiner Bewertung:

Oje, ich wurde von einer Pat. auf die Bewertung, die auf Jameda veröffentlicht wurde, aufmerksam gemacht. Ich gehe davon aus, sie hat die Bewertung gar nicht verstanden – so geht es mir eigentlich auch! Dennoch muss ich zu dieser Bewertung Stellung nehmen, trifft ja nicht nur mich, sondern auch alle meine Pat. aus der Vergangenheit. Ich bin seit ca. 30 Jahren Psychotherapeut (tiefenpsychologisch fundiert). Ich gehe davon aus, dass alle meine Pat. stolz darauf sind, was sie mit mir zusammen geleistet haben. Die bisherigen Bewertungen zeigen ja nur die Eisbergspitze und ich könnte mir vorstellen, dass – so wie es in Bewertung eins tiefer steht, die ehemaligen Pat kommen hier vorbei, um sich erneut daran zu erinnern, was sie alles mit mir zusammen geschafft haben. Dies steht diametral zu dem, was in letzter Bewertung steht.

Die Pat. steht möglicherweise auf „Verhaltenstherapie“ Verhaltenstherapie ist aber keine „Psychotherapie“ Dummerweise rangiert die Verhaltenstherapie kassenärztlicherseits auch unter der Rubrik „Psychotherapie“ – obwohl sie das Verhalten therapieren möchten. Für Verhaltenstherapeuten ist das Verhalten des Pat. Realität. Früher kamen häufiger Anrufe von Pat., deren Verhaltenstherapeut/in meinte, sie bräuchten noch eine medikamentöse Unterstützung. Mittlerweile ist es so, dass auch Verhaltenstherapeuten  einige psychotrope Medikamente verordnen dürfen. Also Hofmann la Roche ist der eigentlich große Verhaltenstherapeut  und die „Verhaltenstherapeuten“ sind dann nur noch die Verteiler!

Dazu ganz anders: Eine tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie bezeichnet die vom Pat. vorgebrachten Beschwerden nicht als Realität, sondern als Symptom eines dahinterliegenden „unbewussten neurotischen Konfliktes“. Deshalb ist hier immer die Frage nach dem „wieso“. Der Therapeut ist neugierig, und gestattet auch so, dass der Pat. neugierig auf sich sein kann. Im Rahmen dieser Neugierde gibt es auch Erkenntnisse, die dann der Pat. in sich einbauen kann – als mögliche neue Lebensgrundlage. Die früheren Beurteilungen lese ich als eine Danksagung an den Erfolg dieser Therapien und somit ist die letzte Beurteilung im übertragenen Sinne nur eine Friedhofsschändung.